Das Haus als historischer Zeuge

"Hausgeschichten sind immer auch Indikatoren wirtschaftlicher Verhältnisse, sozialer Beziehungen und kultureller Leistungen von Personen. Darüber hinaus sind sie aber auch Spiegel einer Zeit, einer Gegend und einer sozialen Schicht. Bau- und Hausgeschichte wird so immer auch zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte und, in einem allgemeinen Sinn, zur Kulturgeschichte." (Frei nach Bedal: Historische Hausforschung)

 

Die Freitreppe im Jahr 1938

Das Stunikenhaus 1940

Das Stunikenhaus 1948

Abbruch in der Antonistraße 1964

Das Kellergewölbe 1978

Die Chronologie

1748: Bau des Hauses durch den aufgeklärten Hammer Kaufmann, Erfinder und Oberbrandmeister Johann Bernhard Stuniken. Er ließ die Außenwände des Hauses, nachdem im Jahr 1741 zum dritten Male in elf Jahren große Teile der Stadt durch einen Brand zerstört wurden, nicht wie damals üblich aus Fachwerk, sondern komplett aus Stein erbauen. Die holländische Baugestaltung des Hauses wurde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erheblich durch seine geschäftlichen Beziehungen nach Amsterdam mit seinen Grachtenhäusern geprägt. Das obere Stockwerk mit seiner umlaufenden Fensterfront und damit perfekter Rundumsicht über die damalige Innenstadt war wohl eher seiner Aufgabe als Oberbrandmeister geschuldet.

Das Haus wurde im Jahre 1748 übrigens auf den damals bereits existierenden Kreuzgewölbekeller aufgebaut dessen genaue bauliche Datierung bisher leider noch nicht gelungen ist. Es ist also wahrscheinlich, dass dieser Keller noch wesentlich älter ist und seine Erbauung wohlmöglich sogar bis in das Mittelalter zurückreicht.

1824: Die Familie Stuniken vererbt das Haus an ihren Schwager Johann Peter Schmits.
 

1842: Die Erben Schmits, die nach Belgien und Amerika auswandern, verkaufen das Haus an den Kaufmann August Klaßmann
 

1864: Verkauf des Hauses an den reichen Wirt Friedrich Leffert für einen Kaufpreis von 2.000 Talern der es 1878 an seinen Sohn Moritz vererbte. Nachfolgend ist das einst prächtige Bürgerhaus sehr heruntergekommen. Es wurde zum Miethaus umfunktioniert und diente verschiedenen Arbeiterfamilien mit zahlreichen Kindern als Wohnstätte.
 

1910: Moritz, der Sohn Freidrich Lefferts verkauft das Hauses an den Kürschner Anton Edel. Diese Familie bemüht sich im Gegensatz zu den beiden Vorgängern erstmals wieder um den Erhalt der Immobilie. In dieser Zeit wurde das Haus als "die sogenannte Stunikenburg" bezeichnet.
 

1942: Anton Edel vererbt das Haus an seinen Sohn Johann, der darin mit seiner Familie bis 1976 wohnte.
 

1944-45: Das Haus wird als eines der wenigen Hammer Bürgerhäuser im Bombenkrieg nur unwesentlich beschädigt.
 

1977: Ankauf der Immobilie durch die Stadt Hamm
 

1978-81: Umfassende Renovierung des Hauses durch das Amt für Denkmalpflege und nachfolgende gastronomische Nutzung durch Faßbender/Becker
 

1986: Eintragung in die Denkmalrolle des Landes Nordrhein-Westfalen
 

1991: Verkauf des Hauses an die Grundstücksgemeinschaft Cremer. Erhebliche Umbauten im Inneren des Gebäudes zur gastronomische Nutzung als Themengastronomie.
 

2008: Beginn des Leerstandes
 

April 2011: Der Hammer Bürger Heinz Harling erwirbt das Haus und stellt wenige Wochen später zwei unterschiedliche Nutzungsalternativen zur Diskussion.

Juni 2011: In einer außergewöhnlichen und beispielhaften Aktion entscheidet sich ein breiter Teil der Hammer Bürgerschaft dafür, das Haus zu einem repräsentativen Clubhaus umzubauen welches die Bedeutung und Würde des Hauses widerspiegelt.
 

1. Dezember 2011: Der Stuniken-Club e. V. öffnet erstmals seine Pforten. Erstmals erstrahlt das Haus auch Innen wieder in einem liebevoll, dem historischen Original angepassten Glanz. Das vom großen Bürger der Stadt Johann Bernhard Stuniken erbaute Haus wird nun wieder in würdiger Art und Weise von den Bürgern der Stadt getragen und belebt.

1. Dezember 2016: Bereits zum fünften Male jährt sich die Eröffnung des Stuniken-Clubhauses. Seit der ersten gastronomischen Nutzung im Jahre 1981 hat noch kein Konzept für ein so hohes Maß an Kontinuität in der Nutzung des Hauses gesorgt.

 

Einen sehr interessanten und ausführlichen Artikel von Gerhard Kaldewei aus dem HammReport 7/1980 können Sie hier als PDF herunterladen.