Johann Bernhard Stuniken

Zur Zeit der alten Preußenkönige galt Hamm als noch nicht sonderlich entwickelt. Das kleine Garnisonsstädtchen mit seinen knapp 3.000 Einwohnern war, wie im Mittelalter üblich, landwirtschaftlich orientiert und die Bevölkerung hatte nicht viel zu lachen. Als am 13. Oktober 1702 Johann Bernhard Stuniken geboren wurde, wusste man noch nicht, welch ein genialer Geist damit in die Stadt Hamm eingezogen war.

Stunikens Vater war Kaufmann und hatte Beziehungen zur damaligen Weltstadt Amsterdam. Durch Reisen mit seinem Vater erfährt er die Handelsbeziehungen zu Holland und erkennt das pulsierende, moderne Leben mit all seinem Fortschritt gegenüber dem einfachen Landleben. Die Begeisterung für den Fortschritt regte seine Fantasie an, und so tüftelte Stuniken in seiner Jugend in vielen Bereichen. Die damaligen Stadtbrände animierten ihn bereits im Alter von 28 Jahren eine Feuerspritze zu entwickeln um diese Brände wirkungsvoll zu bekämpfen. So wurde Johann Bernhard Stuniken zum Brandmeister und Bürgerkapitän. Der in diesem Kapitel gezeigte Scherenschnitt ist übrigens die einzige noch erhaltene Abbildung von Johann B. Stuniken.

 

Am 05.08.1731 heiratete J.B. Stuniken in Lippstadt seine erste Frau, die ihm in einer glücklichen Ehe auch mehrere Kinder gebar. Seine Vorschläge zur Einführung neuer technischer Errungenschaften speziell in der Brandbekämpfung fanden in der Stadt allerdings wenig Beachtung. Bis nach Kleve, dem Verwaltungssitz, ja sogar bis zum Preußenkönig nach Berlin ging das  Bemühen des eifrigen Stuniken, die brandschutztechnischen Missstände der Stadt zu verbessern. Doch damit machte er sich Feinde, gerade bei der Stadtobrigkeit, und das Leben wurde ihm und seiner Familie erschwert. Königlicher Schutz wurde für Stuniken angeordnet, doch Missgunst und sogar Anschläge, eingeschlagene Fensterscheiben waren die Folge. Der Tod seiner ersten Frau, die durch den ständigen Terror eine Fehlgeburt erlitt und kurz darauf starb, brach den Kämpfergeist des jungen Mannes.1748 gab er die Brandmeisterbedienung in die Hände des Königs zurück.

 

Im selben Jahr erwarb er in der Antonistraße ein Baugrundstück und baute trotz widriger Auflagen der Stadt das barocke Stunikenhaus nach holländischem Vorbild mit dem prächtigen Giebel. Johann Bernhard selbst wohnt mit seiner zweiten Frau im väterlichen Haus an der Oststraße 45. Das Stunikenhaus wird das höchste Haus der Stadt. Es ist das erste Haus, das komplett aus Steinen gemauert ist und mit besonderen dockenlosen Dachziegeln eingedeckt ist .

34 708 Reichsmark erwirtschaftet Stuniken durch klugen Handel und seinen Erfindergeist. In dritter Ehe war er ein vermögender Mann mit mehreren Häusern, Bauernhöfen und Ländereien. Der Wohltäter baut die reformierte Schule in der Mark, er schenkte dem Gymnasium eine Lehrerwohnung, er vermachte der Kirche ein kleines Vermögen. Am 29. März 1781 diktiert Johann Bernhard Stuniken sein Testament und setzt seinen  Sohn Nathanael aus erster Ehe, der in die Fußstapfen seines Vaters tritt - und später als Vater der Bedürftigen gelten wird - zum Haupterben ein. Am 26. April 1784 stirbt der große Visionär mit 82 Jahren.

Mit dem Stuniken-Club wird der gute Geist des Johann Bernhard Stuniken wiederbelebt und das Erbe fortgesetzt.

 

Einen sehr interessanten und ausführlichen Artikel von Gerhard Kaldewei aus dem HammReport 7/1980 können Sie hier als PDF herunterladen.

Im Dezember 2016 erschien im Westfälischen Anzeiger ein sehr interessanter und auf neuesten Erkenntnissen basierender Artikel von Dr. Maria Perrefort, wissenschaftlicher Mitarbeiterin für Stadt- und Regionalgeschichte im Gustav-Lübke-Museum. Diesen Artikel können Sie ebenfalls hier mit freundlicher Genehmigung von Frau Dr. Perrefort als PDF herunterladen